Kirchendach

Zwei Mönche bauen das Dach ihrer Klosterkirche neu

kirchendach02Auf dem Klosterhof stehen Fachleute. Ihr sorgenvoller Blick ist auf die Kirche gerichtet, genau gesagt auf das Dach der Klosterkirche im Bereich des Turms. Bis August 2005 wiederholt sich dieses Bild immer wieder.

Bruder Jens erklärt immer wieder, was zu tun ist, was er selbst tun will. Es wird ihm verweigert. Im Hintergrund lagern Stapel mit Biberschwanz-Dachpfannen, 37.000 Stück, gespendet von verantwortungsvollen Mitmenschen.

Sie sind jedoch nicht denk­malgerecht und dürfen nicht aufs Dach. Am Ende ist die Dachkonstruktion im Bereich des Turms bereits soweit abgerutscht, dass sie ein großes Loch in die Wand der Kirche gedrückt hat.

Was folgt sind Anzeigen wegen Zerstörung eines Denkmals gegen die Brüder, die Androhung einer Bauord-nungsverfügung Bruder Jens tut das, was er in so einer Situation immer tut: er betet.

Dann liest er einen Zeitungsartikel über die Himmelsscheibe und das ungewöhnliche Engagement des Herrn Dr. Meller. Er erhält auf seine Bitte hin einen Termin und fährt nach Halle. Dr. Meller, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege und damit auch für Kloster Dambeck zuständig, ist erstaunt: Endlich kommt einmal jemand, der sein denkmalgeschütztes Gebäude nicht abreißen oder wenigstens Geld für den Erhalt von ihm will. Alles, was seinGegenüber von ihm erwartet ist die Genehmigung, sein Gebäude erhalten zu dürfen.

 

kirchendach03Dr. Meller ist interessiert. Am 31.8.2005 kommt er gemeinsam mit einem kompetenten Statiker, dem zuständigen Mitarbeiter aus Halle und Vertretern der Denkmalbehörde aus Salzwedel nach Kloster Dambeck. Er ist überwältigt von der gesamten Anlage.

In der Zwischenzeit hat Bruder Jens ein weiteres Abrutschen des Daches verhindert. Zunächst haben die Brüder die Biberschwanz-Dachpfannen von einem Drittel des Daches abgenommen und sicher gelagert.

Die weiteren Arbeiten hat Bruder Jens allein ausgeführt, um andere nicht zu gefährden. Durch fachkundiges Sichern mit Hilfe von Seilzügen und Drehsteifen hat er durch umschichtiges Drehen Zentimeter um Zentimeter das am meisten gefährdete Gebinde gerichtet, das gesamte Dach in diesem Bereich angehoben, so dass der vom First abgehängte „Mast“ (Sprengwerk) wieder senkrecht hängt.

 

 

Um zu demonstrieren, was er mit dem ganzen Dach vorhat, hat er diesen einen Sparren und Deckenbalken amputiert, durch Schichtverleimungneu aufgebaut und zusätzlich durch wasser-festes Sperrholz (Waggonplatten), Gewindestangen und Holzdübel gesichert.

Dr. Meller und sein Statiker sind begeistert. Das, was alle Fachleute bisher für unmöglich gehalten haben, sehen sie hier vollendet vor sich: dieses Gebinde steht wieder auf eigenen Füßen, von diesem Gebinde ausgehend kann der „Mast“ die an ihm hängenden Deckenbalken der Klosterkirche wieder sicher tragen. Beide bestätigen: So kann und darf das gesamte Dach restauriert werden.

 

 

 

 

Von diesem Tag an nimmt Bruder Jens Bruder Axel mit aufs Dach. Stück für Stück, Gebinde für Gebinde wird in der bewährten Weise das Dach weiter abgedeckt, gerichtet, dann neu aufgebaut, neu gelattet und im fertiggestellten Bereich die neuen, gespendeten, nicht denkmalgerechten Biberschwanz-Dachpfannen aufgebracht. Denn auch das wurde am 31.8.2005 erlaubt: als Noteindeckung!

 

Und nach 2 Jahren ist am 9. September 2007 das geschafft, was alle Fachleute für unmöglich gehalten hatten: Der Erhalt des fast 800jährigen Denkmals ist für die nächsten 100 Jahre gesichert, und das ausschließlich in Eigenleistung.